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Realer AnwendungsfallAnwendungsfall

e-Invoicing

Rechnungsbetrug, IBAN-Manipulation und fehlerhafte USt-IdNr. kosten europäische Unternehmen jährlich Milliarden. Gemeinsam mit KVK, dem Belastingdienst, Unifiedpost und Visma Yuki hat Credenco einen verifizierbaren e-Invoicing-Stack aufgebaut — und dessen Interoperabilität getestet. Jede Rechnung ist kryptografisch an ihren Absender, dessen USt-Registrierung und die IBAN gebunden und wird direkt zwischen Business Wallets übertragen. Keine PDFs, keine gefälschten Kopfzeilen, kein Rätselraten.

Die Herausforderung

Das heutige e-Invoicing ist nur halb digital. Rechnungen werden als PDF oder strukturiertes XML per E-Mail und ERP-System versendet, doch die Identität des Absenders wird nie kryptografisch nachgewiesen. Der Empfänger muss die KVK-Nummer, die USt-Registrierung und die IBAN des Lieferanten mit externen Registern abgleichen — oder die Prüfung ganz auslassen.

  • Gefälschte Absenderangaben und vertauschte IBANs sind ein verbreiteter Betrugsvektor.
  • USt-IdNr. und Handelskammereintragungen werden, wenn überhaupt, manuell geprüft.
  • Jedes Land, jede Plattform und jedes ERP spricht einen leicht anderen Dialekt desselben Standards.

Die niederländische — und europäische — Antwort ist strukturierte, verifizierbare Rechnungsstellung: Rechnungen mit einem kryptografischen Nachweis, wer sie versendet, ausgestellt auf Basis derselben maßgeblichen Quellen, die die rechtliche Existenz des Absenders registrieren.

Die Lösung

Der FIDES Labs Small Scale Pilot e-Invoicing wurde aufgesetzt, um das Konzept in zwei Phasen durchgängig zu belegen.

Teil 1 — Organisations-Wallets & Credentials. Credenco lieferte eine Business Wallet, ein Issuer Portal und ein Verifier Portal für die vier teilnehmenden juristischen Personen. KVK stellte die Handelskammernummer und die RSIN als Verifiable Credentials aus. Der Belastingdienst stellte die USt-IdNr. und die Steueranschrift aus. Alle Parteien wurden im EBSI-Trust-Register onboardet, und die Interoperabilität wurde mit einem zweiten Wallet-Anbieter nachgewiesen.

Teil 2 — FIDES Blue Pages. Ein dezentraler Unternehmenskatalog, aufgebaut auf den Wallets. Organisationen können verifizierbare Informationen über Geschäftspartner nachschlagen — KVK-Nummer, USt-IdNr., IBAN, Adressen — mithilfe von Web- und EBSI-Crawlern, die Linked Verifiable Presentations aus der DID jeder juristischen Person auslesen. Man kann es sich als dezentrales „Google für Unternehmensidentität“ vorstellen, ohne zentrale Datenbank.

Auf diesem Stack sitzt das e-Invoice-Credential: ein Verifiable Credential, das die Rechnungsdaten umschließt, sie mit den KVK-/USt-/IBAN-Credentials des Absenders verknüpft und optionale Nachweisdokumente mitführt. Rechnungen werden über eine dedizierte Send-Invoice-API versendet und landen im Wallet-Posteingang des Empfängers, mit OpenID4VP-basierter Autorisierung.

Die Rolle von Credenco

Credenco ist technischer Lead und Wallet-Anbieter in beiden Phasen des Pilotprojekts. Die Arbeit umfasst:

  • Business Wallet — für alle teilnehmenden juristischen Personen, mit DID-Management (did:web, did:ebsi) und Linked Verifiable Presentations.
  • Issuer Portals — für KVK (CoCnr, RSIN) und den Belastingdienst (USt-IdNr., Steueranschrift), einschließlich Ausstellungs- und Widerrufsprozessen.
  • Verifier Portal — validiert Credentials anhand vertrauenswürdiger Aussteller und auf EBSI registrierter Schemas.
  • FIDES Blue Pages — dezentraler Unternehmenskatalog mit Admin-Tooling, Web-DID- und EBSI-Crawlern, API-Key-Verwaltung und OpenID4VP-Admin-Login.
  • e-Invoice-Credential + Send-Invoice-API — die Wrapper- und Transportschicht, die die Rechnung an die verifizierte Identität ihres Absenders bindet.
  • Interoperabilitätstests — Live-Tests mit Sphereon und anderen DIIP-konformen Wallets.

Auf einen Blick

Branche

Finanzwesen · B2B

Initiative

FIDES Labs — Small Scale Pilot

Beteiligte

KVK · Belastingdienst · Unifiedpost · Visma Yuki

Standards

W3C VC · OID4VCI · OID4VP · DIIP v5

Status

Teil 1 & 2 abgeschlossen · Pilotphase live

Was eine verifizierbare Rechnung enthält

Eine verifizierbare e-Invoice ist kein PDF — sie ist ein strukturiertes Credential, das die Rechnungsdaten mit den maßgeblichen Identitäts-Credentials des Absenders bündelt. Jeder Datenpunkt unten wird ausgestellt, signiert und unabhängig überprüfbar gemacht.

Ausgestellt von KVK

Handelskammernummer (CoCnr)

Ausgestellt von KVK

RSIN

Ausgestellt von Belastingdienst

USt-IdNr.

Ausgestellt von Belastingdienst

Steueranschrift

Ausgestellt von Bank

IBAN

Ausgestellt von Absender

e-Invoice-Credential (mit Nachweisdokumenten)

Auswirkung

Was sich ändert, wenn Rechnungen zu Verifiable Credentials statt signierten PDFs werden.

Keine gefälschten Rechnungen mehr

Jede Rechnung trägt eine kryptografische Signatur, die mit Credentials von KVK, Belastingdienst und der Bank des Absenders verknüpft ist. Gefälschte Absenderangaben und manipulierte IBANs werden sofort erkennbar.

Sofortige Validierung

Empfänger prüfen die rechtliche Identität, die USt-IdNr. und die IBAN des Lieferanten in einer einzigen Verifizierung — ohne manuellen Abgleich mit externen Registern.

Interoperabel von Grund auf

Aufgebaut auf offenen Standards (W3C VC, OID4VCI, OID4VP) und erfolgreich mit anderen Wallet-Anbietern auf Interoperabilität getestet — e-Invoices fließen über Wallet-Ökosysteme hinweg.

Grundlage für Peppol & EU eIDAS 2.0

Bietet eine Verifiable-Credentials-Schicht auf Basis von Peppol-artiger Rechnungsstellung, abgestimmt auf die kommende European Digital Identity Wallet und verpflichtende E-Invoicing-Richtlinien.

Praktisches Beispiel

Ein Lieferant sendet einem Kunden eine Rechnung. Beide arbeiten in ihrem eigenen ERP, verbunden mit ihrer Business Wallet. Die Rechnung wird als Verifiable Credential übertragen — nicht als PDF.

1. Absender

Lieferant

Aus dem ERP wird die Rechnung an die Business Wallet übergeben. Die Wallet verpackt sie in ein e-Invoice-Credential, signiert und mit den KVK-, USt- und IBAN-Credentials des Absenders verknüpft.

2. Transport

Send-Invoice-API

Das Credential wird direkt in den Wallet-Posteingang des Empfängers zugestellt. OpenID4VP autorisiert die Übertragung — keine gemeinsam genutzten Postfächer, keine Dateianhänge.

3. Empfänger

Kunden-ERP

Die empfangende Wallet prüft Absenderidentität, USt-IdNr. und IBAN gegen die vertrauenswürdigen Aussteller auf EBSI. Die Rechnung gelangt vorab verifiziert ins ERP — bereit für die durchgängige Weiterverarbeitung.

Zukunftsausblick

Verpflichtendes e-Invoicing kommt: Die meisten EU-Mitgliedstaaten verlangen ab 2026 strukturierte Rechnungsstellung — und parallel dazu kommt die European Digital Identity Wallet. Der FIDES-Labs-Pilot liefert das fehlende Bindeglied: Rechnungen, die nicht nur strukturiert, sondern auch verifizierbar sind. Je mehr Stellen — Banken, Versicherer, Behörden — Credentials ausstellen und FIDES Blue Pages wächst, desto mehr verschieben sich ganze Finanz-Stacks (von der Beschaffung bis zur Zahlung) von manueller Prüfung hin zu kryptografischem Vertrauen. Das ist die Grundlage für automatisiertes, betrugsresistentes B2B-Finanzwesen im europäischen Maßstab.