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Digitaler Produktpass erklärt

Ein digitaler Produktpass (DPP) ist ein maschinenlesbarer Datensatz zu einem Produkt, den jeder entlang seines Lebenszyklus per Scan abrufen kann, wobei jede Partei nur den Teil sieht, für den sie Zugriffsrechte hat. Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) macht ihn zum Standardweg, Daten zu Materialien, Fußabdruck, Reparatur und Recycling zu teilen. Diese Seite zeigt, wie ein Pass gefunden wird, was er enthält, wo er liegt und wie sich seine Angaben prüfen lassen.

Vom Scan zum Pass

Jeder Pass beginnt mit einem Datenträger auf dem Produkt, seiner Verpackung oder den Begleitdokumenten. Der Scan liefert eine eindeutige Produktkennung und einen Link. Der Link führt zu den Passdaten, sodass sich der Träger selbst nie ändern muss, wenn sich die Daten ändern.

Datenträger

Ein QR-Code, NFC-Tag oder RFID-Chip auf dem Produkt, seiner Verpackung oder seiner Dokumentation

Eindeutige Produktkennung

Der Träger enthält eine Kennung, die dieses Modell, diese Charge oder dieses Einzelstück benennt

Passdaten

Die Kennung führt zum Pass, gehostet von der für das Produkt verantwortlichen Partei

Passdaten (Beispiel)

{
  "uniqueProductIdentifier": "https://id.example.com/01/08712345678906/10/B2026-114",
  "granularity": "batch",
  "manufacturer": { "name": "Example Textiles B.V.", "operatorId": "NL-OP-000123" },
  "materials": [
    { "material": "cotton", "share": 0.62, "recycledShare": 0.30 },
    { "material": "polyester", "share": 0.38, "recycledShare": 0.00 }
  ],
  "carbonFootprint": { "value": 7.4, "unit": "kg CO2e" },
  "repair": "https://dpp.example.com/B2026-114/repair",
  "declarationOfConformity": "https://dpp.example.com/B2026-114/doc"
}

Was ein Pass enthält

Die ESPR nennt die Arten von Informationen, die ein Pass enthalten kann, und jeder delegierte Rechtsakt wählt die Felder für seine Produktgruppe aus. Nicht jedes Feld ist für alle bestimmt. Verbraucher sehen den öffentlichen Teil, während Reparaturanleitungen oder Konformitätsunterlagen auf Reparaturbetriebe, Recycler oder Behörden beschränkt sein können.

KategorieBeispieleÜblicher Zugriff
ProduktidentitätEindeutige Produktkennung, Modell, Hersteller, ProduktionsortÖffentlich
Materialien und StoffeMaterialzusammensetzung, besorgniserregende Stoffe, RezyklatanteilÖffentlich
UmweltleistungCO2-Fußabdruck, Haltbarkeit, EnergieverbrauchÖffentlich
Reparatur und LebensendeErsatzteile, Demontage- und RecyclinganleitungenOft auf Reparaturbetriebe und Recycler beschränkt
KonformitätKonformitätserklärung, technische Dokumentation, ZertifikateOft auf Behörden beschränkt

Welche Felder es genau gibt und wer welches Feld lesen darf, legt der delegierte Rechtsakt je Produktgruppe fest. Die Tabelle zeigt die Kategorien, die die ESPR nennt, kein festes Schema.

Modell, Charge oder Einzelstück

Ein Pass kann ein ganzes Produktmodell, eine Produktionscharge oder ein einzelnes Stück beschreiben. Welche Ebene gilt, entscheidet der delegierte Rechtsakt. Ein Pass auf Modellebene eignet sich für Produkte, bei denen jede Einheit gleich ist, während die Einzelstückebene nötig ist, wenn sich Daten je Einheit unterscheiden, etwa beim Gesundheitszustand einer Batterie.

Wer den Pass hostet

Es gibt keine zentrale EU-Datenbank mit allen Pässen. Der Wirtschaftsakteur, der das Produkt in Verkehr bringt, ist für den Pass verantwortlich und kann ihn selbst hosten oder einen DPP-Dienstleister beauftragen. Eine Sicherungskopie liegt bei einem unabhängigen Dienstleister, damit der Pass auch das Unternehmen überdauert, das ihn erstellt hat.

Wirtschaftsakteur

Erstellt den Pass und hält ihn aktuell

Selbst oder über einen DPP-Dienstleister, mit einer Sicherungskopie bei einem unabhängigen Dritten

EU-Register

Speichert die eindeutigen Kennungen, nicht den vollständigen Pass

Ermöglicht Zoll und Marktüberwachungsbehörden, einen Pass zu finden und zu prüfen

Angaben im Pass überprüfbar machen

Ein Pass, den der Hersteller selbst verfasst, bleibt eine Eigenerklärung. Viele Angaben stammen tatsächlich von anderen: Ein Lieferant nennt den Rezyklatanteil, ein Labor misst den Fußabdruck, eine Zertifizierungsstelle stellt ein Zertifikat aus. Stellen diese Parteien ihre Angabe als verifizierbares Credential aus, kann der Pass es enthalten, und jeder kann prüfen, wer die Angabe gemacht hat und dass sie weder verändert noch widerrufen wurde.

Aussteller, zum Beispiel ein Prüflabor

Signiert eine einzelne Angabe zu einer Produktcharge

Der Pass verlinkt auf das Credential, und ein Prüfer kontrolliert die Signatur, den Aussteller und dessen Widerrufsstatus

Credential-Payload für eine Passangabe (Beispiel)

{
  "iss": "https://lab.example.com",
  "vct": "https://lab.example.com/credentials/recycled-content",
  "iat": 1789200000,
  "sub": "https://id.example.com/01/08712345678906/10/B2026-114",
  "recycledContent": { "material": "cotton", "share": 0.30 },
  "status": {
    "status_list": { "idx": 812, "uri": "https://lab.example.com/statuslists/1" }
  }
}

Wann Pässe verpflichtend werden

  • 18. Juli 2024: Die ESPR tritt in Kraft und setzt den Rahmen, noch ohne Pflichten für bestimmte Produkte.
  • 19. Juli 2026: Frist, bis zu der die Kommission das Register für digitale Produktpässe einrichten musste. Die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 vom 16. Juli 2026 regelt seine Funktionsweise, und das Register ist am 20. Juli 2026 in Betrieb gegangen.
  • 18. Februar 2027: Batteriepass nach der Batterieverordnung verpflichtend für Elektrofahrzeugbatterien, Batterien für leichte Verkehrsmittel und Industriebatterien über 2 kWh.
  • Danach: Produktgruppen aus dem ESPR-Arbeitsplan, etwa Textilien, Möbel, Reifen, Matratzen, Stahl und Aluminium, jeweils sobald ihr delegierter Rechtsakt gilt.

Verwandte Begriffe

Häufig gestellte Fragen

Ist der QR-Code der Pass?

Nein. Der QR-Code, das NFC-Tag oder der RFID-Chip ist nur der Datenträger. Er enthält die eindeutige Produktkennung und einen Link, und der Pass ist der Datensatz, auf den dieser Link verweist. Deshalb lässt sich der Pass auch nach der Auslieferung des Produkts aktualisieren, ohne dass etwas neu gedruckt werden muss.

Speichert die EU alle Pässe zentral?

Nein. Die Passdaten bleiben beim Wirtschaftsakteur oder bei einem Dienstleister, der in seinem Auftrag handelt. Das Register der Kommission speichert die eindeutigen Kennungen, damit Zoll und Marktüberwachungsbehörden einen Pass finden und prüfen können, enthält aber nicht den vollständigen Datensatz. Die Kommission betreibt zudem ein öffentliches Webportal, über das Passdaten im Rahmen der in jedem delegierten Rechtsakt festgelegten Zugriffsrechte gesucht und verglichen werden können.

Schreibt die ESPR verifizierbare Credentials vor?

Nein. Die ESPR verlangt, dass der Pass maschinenlesbar und interoperabel ist und auf offenen Standards beruht, und überlässt das technische Format Normen und delegierten Rechtsakten. Verifizierbare Credentials sind eine Möglichkeit, diese Anforderungen zu erfüllen und zugleich jede Angabe überprüfbar zu machen. Deshalb tauchen sie in DPP-Pilotprojekten auf.

Wann braucht mein Produkt einen Pass?

Erst wenn ein delegierter Rechtsakt für Ihre Produktgruppe gilt. Jeder Rechtsakt legt sein eigenes Datum fest, und die ESPR schreibt mindestens 18 Monate zwischen dem Inkrafttreten eines delegierten Rechtsakts und seiner Anwendung vor, außer in hinreichend begründeten Fällen. Batterien fallen unter die separate Batterieverordnung, die ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass verlangt.

Quellen

  1. Verordnung (EU) 2024/1781, Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte
  2. Verordnung (EU) 2023/1542, Batterieverordnung
  3. Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778 der Kommission, Register für digitale Produktpässe

Diese Seite dient der Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Maßgeblich sind die Verordnungen und der delegierte Rechtsakt für Ihre Produktgruppe.

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